Anime & Manga Aug 18, 2026Zu Lesezeichen hinzufügen

Akira Toriyama, der im März 2024 verstorben ist, wurde kürzlich in die Will Eisner Comic Industry Award Hall of Fame aufgenommen, die höchste Auszeichnung der Comic-Welt. Eine späte, aber immense Anerkennung für einen der einflussreichsten Schöpfer der Manga-Geschichte.
Der Will Eisner Comic Industry Award – auch „Oscar der Comics“ genannt – wird jährlich auf der San Diego Comic-Con von einer Jury aus Branchenprofis verliehen. Die Kategorie Hall of Fame ehrt Schöpfer, deren Werk die Geschichte des Mediums nachhaltig geprägt hat. Neben Legenden wie Will Eisner, Jack Kirby, Osamu Tezuka oder Charles Schulz in diese Ruhmeshalle aufgenommen zu werden, bedeutet eine Position in der Weltgeschichte der Comics – nicht nur der japanischen.
Dass die Aufnahme posthum erfolgt, mindert nicht die symbolische Bedeutung. Im Gegenteil: Sie kommt zum richtigen Zeitpunkt. Seit Toriyamas Tod am 1. März 2024 mit 68 Jahren ist das Ausmaß seines Einflusses auf mehrere Jahrzehnte weltweiter Popkultur Gegenstand unzähliger Hommagen – doch kaum eine so formell wie diese.
Toriyama begann seine Karriere bei Shueisha mit Dr. Slump (1980–1984), einer absurden Science-Fiction-Komödie um Arale, eine naive Androidin mit übermenschlichen Fähigkeiten. Der Erfolg stellte sich sofort ein, und die Serie brachte zwei Anime-Adaptionen hervor.
Doch Dragon Ball (1984–1995) änderte alles. Der im Weekly Shōnen Jump veröffentlichte Manga folgt Goku von seiner Kindheit als naiver kleiner Krieger bis zu den kosmischen Schlachten in Dragon Ball Z – und wurde zu einer der profitabelsten Franchises der Geschichte: Über 250 Millionen verkaufte Bände allein für den Manga, ohne Anime-Adaptionen, Videospiele oder Merchandising zu berücksichtigen. Dragon Ball GT, Dragon Ball Super und Dragon Ball Daima erweiterten das Universum noch lange nach dem Ende des Original-Manga.
SPOILER Dragon Ball – Toriyama hatte die Serie ursprünglich mehrfach beenden wollen, etwa nach der Saiyajin-Saga oder nach Cell. Es war der redaktionelle Druck und der phänomenale Erfolg, die die Serie über die Freezer-, Cell- und schließlich Boo-Saga hinaus verlängerten. Diese Spannung zwischen Toriyamas künstlerischer Vision und den kommerziellen Zwängen des Jump ist in mehreren Interviews des Mangaka dokumentiert.
Doch jenseits der Verkaufszahlen ist es vor allem Toriyamas visuelle Sprache, die er prägte. Sein Character-Design – ausdrucksstarke Gesichter, große Augen, dynamische, aber klare Körperformen – beeinflusste mehrere Generationen von Mangaka und Game-Designern. Er entwarf selbst die Charaktere der Dragon-Quest-Reihe (seit 1986 in Zusammenarbeit mit Yuji Horii und Koichi Sugiyama bei Enix), eine parallele Arbeit, die über vierzig Jahre hinweg die Ästhetik der JRPGs geprägt hat.
Toriyama ist einer der wenigen Schöpfer, die sowohl im Manga (Dragon Ball, Dr. Slump) als auch im Videospiel (Dragon Quest, Chrono Trigger, Blue Dragon) ihre Spuren hinterlassen haben. Sein Character-Design für Chrono Trigger (1995), entstanden in Zusammenarbeit mit Hironobu Sakaguchi und Yuji Horii, gilt als eines der schönsten im japanischen JRPG.
Die Hall of Fame des Eisner Awards nimmt seit langem anerkannte japanische Schöpfer auf – Osamu Tezuka gehört zu den ersten internationalen Geehrten. Toriyama tritt diesem exklusiven Kreis bei, ein weiteres Zeichen dafür – nach Jahrzehnten der globalen Verbreitung –, dass Manga heute weltweit als eigenständiges literarisches und künstlerisches Medium akzeptiert wird und nicht nur als Exportprodukt.
Für diejenigen, die mit Dragon Ball aufgewachsen sind, ist dies eine Bestätigung von etwas, das sie schon immer wussten. Für die Branche ist es ein Signal dafür, was der Eisner sein will: global, nicht nur amerikanisch.
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